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Reutlingen

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Technischer Defekt oder linksextremistischer Anschlag? Großer Stromausfall legte Reutlingen lahm

Ein großflächiger und lange andauernder Stromausfall hat in der Nacht zum Montag weite Teile Reutlingens sowie die Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt lahm gelegt. Während die Reutlinger Innenstadt seit sechs Uhr morgens wieder am Netz ist, dauerte der Stromausfall in Betzingen, Ohmenhausen, Wannweil und Kirchentellinsfurt länger an.

Am Vormittag waren rund 7.600 Haushalte betroffen. Grund für den Blackout war ein Brand im Umspannwerk Mark West. Die Ursache ist bislang unklar, die Möglichkeiten reichen von einem technischen Defekt bis zu  Brandstiftung, gar von einem möglichen linksextremistischen Anschlag ist die Rede. Man ermittle in alle Richtungen, so die Polizei.

Um elf Uhr informierten Stadtverwaltung und Einsatzkräfte auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Dinge. Auch über den Brand im Umspannwerk, der zu diesem Stromausfall geführt hatte:

Matthias Hertler, stellvetretender Feuerwehrkommandant, berichtete, dass der Löschzug um 1.45 Uhr alarmiert wurde. Er habe am Brandort "einen vollentwickelten Brand vorgefunden und konnte den mit Schaum und Wasser löschen."

Zwei Trafos wurden durch das Feuer beschädigt. Die Feuerwehr war mit insgesamt knapp zweihundert Kräften im Einsatz – nicht nur wegen des Brandes selbst, sondern auch wegen Folgeeinsätzen aufgrund des Stromausfalls. 

"Wenn Brandmeldeanlagen beispielsweise nicht mehr mit Strom versorgt werden, lösen die irgendwann mal aus, das heißt, wir hatten schon einige Folgeeinsätze", so Hertler.

Jens Balcerek, Geschäftsführer der Stadtwerke Reutlingen, schilderte, wie er die Brandnacht erlebt hatte: "Ich bin tatsächlich aufgewacht von einem Krach und konnte ihn nicht einordnen und dachte erst, das ist aber kein Hubschrauber. Habe versucht, das Licht einzuschalten, das ging nicht, und dann bin ich Richtung Geräusch gelaufen und sah dann von meinem Balkon aus lichterloh etwas brennen, konnte es aber nicht einordnen, weil es hinter den Bäumen war."

Nach einem Ereignis wie diesem schießen auch die Spekulationen ins Kraut. In Medienberichten war vom Verdacht auf Brandstiftung die Rede. Unter der Berufung auf Sicherheitskreise heißt es gar, es sei womöglich ein linksextremistischer Anschlag gewesen. Die Polizei kann dies weder bestätigen, noch dementieren.

Tina Rempfer, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Reutlingen: "Zur Brandursache ermitteln wir in alle Richtungen aktuell, sowohl ob es möglicherweise um einen technischen Defekt handelt, oder auch ob fahrlässig oder vorsätzlich eine Ursache gesetzt wurde."

Was auch immer die Ursache war - bereits jetzt steht schon fest: Ein ähnliches Ereignis hat es in Reutlingen noch nie zuvor gegeben. Oberbürgermeister Thomas Keck: "Ich kann mich an keinen Stromausfall dieses Ausmaßes in der Reutlinger Stadtgeschichte erinnern. Also, nicht in dem Zeitraum, den ich hier in meiner Heimatstadt überblicken kann, das ist schon etwas Besonderes."

Etwas Besonderes auch für die betroffenen Haushalte und Unternehmen, die jetzt plötzlich vor große Herausforderungen gestellt werden. "Was ist mit der Gastronomie? Wie kühlen Metzgereien ihre Rohstoffe, ihre Wurstwaren, Wurst- und Fleischwaren? Oder auch Supermärkte ihr Gefriergut und ihre Milchprodukte? Das sind Riesenprobleme", so OB Thomas Keck.

Auch das Klinikum am Steinenberg war vom Stromausfall betroffen. Auf so eine Situation sei man aber vorbereitet, sagte Geschäftsführer Dominik Nusser. Zwar habe man kurz nach sechs Uhr wieder Strom gehabt, dennoch habe man zehn planbare OPs verschieben müssen. 

Wie lange der Stromausfall anhält beziehungsweise wie lange es zu Versorgungsproblemen kommen kann, ist noch völlig offen. Jens Balcerek, Geschäftsführer der Stadtwerke Reutlingen: "Wir bauen jetzt Ersatzversorgung auf, versuchen so weit wie möglich, die Versorgung herzustellen." Er rechne für eine Vollversorgung mit "mindestens 48 Stunden", hoffe aber, "dass wir Teile früher ans Netz bekommen, und vor allem die Bevölkerung versorgen können". Aber jetzt müsse man erst mal die Schäden besichtigen. Dann könne man mehr sagen.

(Zuletzt geändert: Montag, 08.06.26 - 16:43 Uhr   -   452 mal angesehen)

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