Klima Global Expertentag: Was braucht es gegen den Klimawandel?
Der Klimawandel ist ein weltweites Problem. Aus diesem Grund setzt sich der Verein Klima Global für internationale Lösungen statt kleinteiliger Maßnahmen gegen die Erderwärmung ein. Vor der 31. UN-Klimakonferenz in Antalya hat der Verein am Freitag zum Expertentag in das Gemeindezentrum in Tübingen-Lustnau eingeladen. Nach einer Eröffnungsrede von OB Boris Palmer haben Fachleute von den Herausforderungen einer globalen Klimapolitik berichtet und zum offenen Austausch angeregt.
Etwa zwölf Milliarden Tonnen CO2 stößt China jährlich aus – Tendenz steigend. Eine Klimapolitik auf Europaebene reiche laut Hanns Maull daher nicht aus. Vor allem Länder wie China und Indien gäben Anlass zur Sorge.
"Die Zuwächse sind fast nur in den Ländern des Globalen Südens", meint der der Professor. "Die westlichen Industriestaaten haben es geschafft, ihre Emissionen entweder einigermaßen unter Kontrolle zu halten oder – wie die Europäische Union – zu senken. China – das wichtigste Beispiel aus dem globalen Süden – ein enormer Zuwachs. China ist inzwischen das größte Problem im Zusammenhang mit der Erderwärmung."
In seinem Vortrag hob der Politikwissenschaftler hervor, dass gute Klimapolitik global anpacken müsse. Auch wenn die EU es geschafft hat, den CO2-Ausstoß in etwa 30 Jahren um mehr als eine Milliarde Tonnen zu senken, ist er in Indien im selben Zeitraum um das Doppelte gestiegen. Während die westlichen Industrienationen über eine voll ausgebaute Energieversorgung verfügen und allmählich auf alternative Energieträger wie Fernwärmepumpen umsteigen können, mussten viele Schwellenländer eine nachholende Industrialisierung durchlaufen.
Maull sieht das ganze auch nicht wertend: "Das ist natürlich völlig nachvollziehbar, dass der Globale Süden, die Menschen des Globalen Südens dorthin wollen. Das heißt sie müssen den Energieverbrauch erhöhen – wesentlich erhöhen. Und das zwingt sie dazu, die Energiepolitik zu betreiben, die sie derzeit betreiben – mit Öl, mit Kohle, mit Gas."
Auch wenn China führend in den Bereichen Sonnen- und Windenergie ist, reichen diese Technologien alleine nicht aus, um den immensen Energiebedarf zu decken. Und dieser Bedarf soll laut Prognosen der Internationalen Energieagentur bis weit über das Jahr 2050 massiv ansteigen. Um diesem Bedarf auf nachhaltige Weise gerecht zu werden, könnte laut Klima-Global-Vorstand Friedemann Müller die EU-Klimapolitik als Vorreiter fungieren:
"Etwa das, was wir in Europa schon seit 20 Jahren haben – ein Emissions-Handel-System, bei dem sozusagen fossile Energie verteuert wird, das Geld in die Kasse kommt, und als Investition für erneuerbare Energien verwendet wird."
Laut Hanns Maull bietet der Globale Süden enormes Sparpotenzial, was den CO2-Ausstoß betrifft. Um den Emissionshandel aber global umsetzen zu können, brauche es vor allem eines: "Politische Führung und vermutlich heißt das, den oder die Führerin eine der großen Mächte der internationalen Politik."
Es bräuche Durchsetzungsvermögen, um wirklich einen globalen Umstieg zu erreichen. "Wir bräuchten jemanden, der an der Spitze einer dieser Staaten steht und die Klimapolitik zu seiner Sache macht – zu ihrer Sache macht."
Wer einen Blick Richtung USA oder China, aber auch ins eigene Bundeswirtschaftsministerium wirft, der merkt, dass eine solche Führungspersönlichkeit aktuell nicht in Sicht ist.
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