Ausstellung „Present Perfect“ von Lars Eidinger
Bis vor kurzem war er in der Hit-Serie „Babylon Berlin“ zu sehen, im Blockbuster „Man of Tomorrow“ kämpft er kommenden Sommer gegen Superman. Jetzt eröffnet Schauspieler Lars Eidinger eine Ausstellung seiner Fotografien in der Kunsthalle Tübingen. Unter dem Titel „Present Perfect“ versucht er mit seinen Bildern, die ungesehenen Momente des Alltags zu zeigen.
Direkt zu Beginn sehen Gäste der Kunsthalle Tübingen die Anfänge von Eidingers Karriere als Fotograf, auch wenn er damals nur 6 Jahre alt war. Auch bekommen sie einen Einblick in sein Leben, seine Karriere und seinen Werdegang. Von Schallplatten, die er in jungen Jahren aufgenommen hat, bis zu den zahlreichen Projekten, an denen er aktuell arbeitet. Ein straffer Zeitplan, um den das Personal der Kunsthalle herumarbeiten musste.
"So haben wir uns beholfen, dass wir alles virtuell vorinszeniert haben, dann mit ihm am Computer, am virtuellen Modell, die Ausstellung geplant haben an einem Tag", erklärt Nicole Fritz, Direktorin der Kunsthalle Tübingen. "Und ab dann haben wir auch immer nur kleinere Veränderungen über einen Austausch mit WhatsApp gemacht."
Der Titel der Ausstellung, „Present Perfect", bezieht sich nicht nur auf seine Bilder, sondern auch auf Fotos im Allgemeinen. Eingefangene, scheinbar perfekte Momente. "Ich kenn das ehrlich gesagt noch als Begriff aus der Schule, aus der Grammatik", meint Eidinger. "Vollendete Gegenwart fand ich immer einen interessanten Begriff. Und der passt für mich sehr gut zur Fotografie, weil ich glaube, man täuscht sich, wenn man sagt: Fotografie fängt das Leben ein. Fotografie bildet eigentlich den Tod ab." Für ihn ist jedes Bild ein Memento Mori, eine Erinnerung an etwas Vergangenes.
Ein Foto stellt eine junge Frau dar, im Prozess, sich selbst zu fotografieren. Ein weiteres zeigt die Schwelle zu einem Raum voller künstlichem Schnee, erschaffen für eine einmalige Modenschau. Für den Fotografen spontane Momentaufnahmen, für seine Subjekte aufwändige Inszenierungen.
Für Eidinger ist jedes der Bilder eine Selbstdarstellung. Nicht nur von den Subjekten und dem Künstler, sondern vor allem von seinem Publikum, das sich hier selbst in den Fotos erkennen soll. Er selbst ist aber nie wirklich Teil der Momente, die er darstellt. Seine Motive sind von ihm abgewandt oder sehen an ihm vorbei. Sie erwarten nicht, dass sie jemand wahrnimmt.
Doch Eidinger hat sie gesehen. Gerade dieses Auge spricht Fritz an seinen Fotografien an. "Das spannende bei Lars Eidinger finde ich, dass er unsere Wahrnehmung für das schärft, was ausgegrenzt ist im Alltag. Wir lernen ein bewussteres Wahrnehmen. Und diese Wirklichkeit bewusst wahrzunehmen und künstlerische Wahrnehmung mit der Realität zusammenzubringen, das war eben auch ein Anliegen der 60er/70er-Jahre-Künstler."
Eben diese Künstler werden hier mit Eidingers Bildern in Kontext gestellt. Besonders wichtig für ihn: Yves Klein's Blau. Auch in seinem Alltag als Schauspieler nutzt Eidinger diese Farbe für Bluescreen-Aufnahmen. Die Farben hinter der Kunst, hinter der Illusion, faszinieren ihn. Es separiert einen Schauspieler von der Realität, die er darstellt. So wie sich Eidinger durch den Akt des Fotografierens von den Momenten separiert, die er zeigt.
Das sieht er auch selbst so: "In dem Moment, wo man was konserviert, denkt man ja auch aus dem Moment heraus. Man denkt dann in die Vergangenheit und in die Zukunft. Ist aber auch umgekehrt eigentlich eine Utopie zu denken, man könnte den Moment festhalten. Weil der Moment in ständiger Bewegung ist."
Auch dieses Vergänglichkeitsmotiv findet sich immer wieder. Eines der liebsten Fotos des Künstlers zeigt eine Hauswand in Heidelberg. Ein Anarchiesymbol, für ihn ein Zeichen der Freiheit, bereits halb übermalt. Nichts ist für immer, kein Moment lässt sich wirklich einfangen. Auch die Ausstellung selbst, jetzt noch neu, wird nicht ewig bleiben. Wer sie also nicht verpassen will, kann sie bis zum 28. Februar in Tübingen selbst erleben.
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