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Hechingen

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Bundesweit führend in Medizintechnik: IHK lud zum Spaziergang durch das Medical Valley

Wenn es um Medizintechnik geht, ist Hechingen bundesweit führend. Mehr als 70 Unternehmen sind im Kompetenznetzwerk Medical Valley Hechingen vertreten. Eine Straße sticht dabei besonders hervor: Die Straße Lotzenäcker im Norden der Zollernstadt. Hier haben sich vor allem Unternehmen angesiedelt, die sich auf Gefäß- und Herzerkrankungen spezialisiert haben. Im Bereich Medizintechnik ist es der erfolgreichste Startup-Standort in Deutschland. Die IHK Reutlingen hat im Rahmen der Innovationstage Zollernalb am Donnerstag zu einem Spaziergang durch die Lotzenäcker eingeladen.

Die Burg Hohenzollern thront über dem Medical Valley in Hechingen. So auch über der Firma Bentley. Das ehemalige Start-up hat zwischenzeitlich einen Preis als innovativstes Unternehmen Deutschlands erhalten. Sebastian, Büchert, CEO von Bentley InnoMed: "Ja, das Unternehmen wurde 2009 hier am Standort in Hechingen gegründet, 2012, drei Jahre später, kam das erste Produkt auf den Markt, und seitdem haben wir eine recht rasante Entwicklung hingelegt, wir beschäftigen jetzt 565 Mitarbeiter weltweit und sind weiterhin kräftig am Expandieren."

Mit Autos hat diese Firma Bentley allerdings nichts zu tun. Das Hechinger Unternehmen hat sich vollkommen auf die Entwicklung und Produktion von Stents spezialisiert. "Also, ein Stent ist eine Art Drahtgeflecht, mit dem man ein verstopftes Gefäß wieder aufdehnen kann, so dass Blut wieder ungehindert durchfließen kann, und dann gibt es die Sonderform, das sind gecoverte Stents, da ist noch eine Hülle um den Stent, die flüssigkeitsundurchlässig ist, damit kann man verstopfte Gefäße nicht nur aufdehnen, sondern man kann sie auch vor dem Reißen oder dem Platzen schützen", so Sebastian Büchert.

Davon gibt es nur sieben Hersteller weltweit, und Bentley ist das einzige Unternehmen, das sich vollkommen auf diesen Bereich fokussiert. 

 

Medical Valley reduziert klassische Herzchirurgie

So wie Bentley gibt es viele Unternehmen in Hechingen und im Gewerbegebiet Lotzenäcker. Sie sorgen mit ihrer Technik dafür, dass Operationen am offenen Herzen immer mehr verdrängt werden. Dr. Heiko Zimmermann von Medical Valley Hechingen e.V.: "Früher, wissen Sie, wenn man jetzt einen koronaren Stent brauchte, also ein Stent, der direkt am Herzen ist, hat man eine Bypass-Operation gemacht, das heißt, den Patienten aufgeschnitten, und hat ihm aus seinen eigenen Venen eine neue Arterie da eingesetzt, das ist heute nicht mehr der Fall, das geht heute minimalinvasiv."

Minimalinvasiv heißt: mit möglichst kleinster Verletzung. Der Chirurg dringt beispielsweise an der Leiste in den Körper ein und arbeitet sich durch die Vene mit dem Katheter bis zum Herz vor. Es ist dafür längst nicht mehr nötig, den Bauch aufzuschneiden.

 

Mit Schweinherzbeutel gegen Schlaganfall

Wenige Meter von Bentley entfernt hat sich mit Qatna ein Start-up niedergelassen. Das Unternehmen rückt einer Hauptursache für den Schlaganfall zu Leibe. Und die ist im Herzen zu finden, genauer gesagt, im Herzohr. Geschäftsführer Christian Wörne: "Das Herzohr ist am linken Vorhof und ist eine Ausstülpung, und in diesem Herzohr können Blutgerinnsel entstehen, die über den Herzkreislauf ausgewachsen werden können."

Auf diese Weise können die Blutgerinnsel ins Gehirn gelangen und dort den Schlaganfall auslösen. Die Gegenmaßnahme: Das Herzohr mit einem Implantat, einem sogenannten Schirmchen, zu verschließen. Solche Schirmchen will auch Qatna herstellen; allerdings andere als die Konkurrenz. 

"Sie unterscheidet das Cover-Material, sprich die Ummantelung von dem Implantat, wir haben ein biologisches Material, kein synthetisches Material, und dadurch wird das vom Körper viel besser angenommen und wächst viel schneller ein", so Christian Wörne.

Das Material stammt vom Schweineherzbeutel. Ziel des Unternehmens ist es, im kommenden Jahr ein solches BOLA-Implantat einem Patienten einzusetzen.

 

Ein Paradies für Start-ups

Außer Bentley und Qatna stellten sich auch vier andere Unternehmen den Teilnehmern des Spaziergangs durch die Lotzenäcker vor. Für die IHK Reutlingen war es wichtig zu zeigen, dass das Medical Valley der erfolgreichste Start up-Standort in Deutschland im Bereich Medizintechnik ist.

"Das ist halt wichtig, dass man halt hier an einem Punkt einen Nukleus hat, aus dem heraus sich viel entwickelt, und für den Wirtschaftsstandort Neckar-Alb, für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist es glaube ich extrem wichtig, dass wir hier solche Bündelungen haben von Möglichkeiten für Start-ups, dass die sich entwickeln können und wo dann auch Investoren angezogen werden", so Dr. Stefan Engelhard von der IHK Reutlingen.

Und ein solcher Nukleus, wo sich Start-ups prächtig entwickeln, befindet sich hier, in der Straße Lotzenäcker in Sichtweite zur Burg Hohenzollern.

(Zuletzt geändert: Freitag, 10.07.26 - 15:42 Uhr   -   156 mal angesehen)

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