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Tübingen

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Neue Opioide und junge Konsumenten - Herausforderungen der Suchttherapie

Derzeit finden in Tübingen die Suchttherapietage statt - in diesem Jahr schon zum 30. Mal. Von Montag bis Freitag versammeln sich mehr als 300 Fachleute aus Forschung, Medizin und Suchttherapie in der Klinik für Psychotherapie und Psychiatrie am Uniklinikum Tübingen.

Sich mit Virtual-Reality-Brille im Verzicht üben – das und noch mehr sind die neuen Entwicklungen auf dem Markt der Suchttherapie. Die Tübinger Suchttherapietage befassen sich mit Neuheiten in der Behandlung von Abhängigen.

Beim runden Jubiläum soll vor allem die Frage beantwortet werden, wie sich die Landschaft von Süchtigen und Therapeuten verändert hat.

Prof. Dr. Anil Batra, Co-Begründer der Suchttherapietage und stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Tübingen, sieht unter anderem im rapiden Anstieg der sogenannten „neuen Opioiden" eine gefährliche Entwicklung im Suchtumfeld.

"Das liegt daran, dass auch vor einigen Jahren die Versorgung mit Heroin über politische Veränderungen in Afghanistan zurückgegangen ist und Alternativen entwickelt wurden", erklärt Batra den Anstieg der neuen Opioiden. "Und diese neuen Substanzen, neuen Opioide, sind um ein Vielfaches stärker als das, was sonst auf dem Drogenmarkt bekannt war", so der Professor.

Laut der Referentin Esther Neumeier steigt neben den Fentanyl-Fällen auch die Anzahl an synthetischen Opioiden bis ins Unüberschaubare. Jeder neue Stoff mit einer anderen Potenz, wodurch jede Spritze zur Wundertüte mit potenziellem Todesrisiko wird.

Norbert Wodarz unterrichtet im Zuge dessen über den Opiaten-Blocker Naloxon. Der Professor an der Uniklinik Regensburg setzt sich in seinem Bundesland für den Einsatz des sogenannten Take-Home-Naloxons in Nasenspray-Form ein. In Bayern sei dadurch die Zahl der Drogentoten um zehn Prozent zurückgegangen.

Zur Aufklärungsarbeit des Take-Home-Naloxons meint Dr. Batra: "Wichtig ist, das unter die Leute zu bringen. Zu vermitteln, dass es das gibt. Wichtig ist, das dabei zu haben. Vielleicht, um sich selbst zu helfen, aber viel eher auch vielleicht anderen zu helfen, die man in der Szene kennt und dann eben genau das passiert, dass sie sich überdosieren."

Vor allem ein immer jünger werdendes Publikum sei bei den Opioidabhängigen zu verzeichnen. Ein Paradigmenwechsel in der Suchtbehandlung sei laut Karl Mann, dass Konsumenten sich nicht mehr zur vollkommenen Abstinenz bereit erklären müssen. Auch den Wunsch nach gemäßigtem Konsum können Abhängige mittlerweile therapeutisch angehen.

Das Stigma des willensschwachen Drogenabhängigen sei mittlerweile überholt. Die Sucht – eine Krankheit wie jede andere, so Batra. "Man muss mehr auf die Bedürfnisse Einzelner, auf die Lebensgeschichte der Einzelnen eingehen und vor allem die Funktion des Suchtmittelkonsums verstehen", erklärt der Professor mit Schwerpunkt in der Psychotherapie und Suchtmedizin. "'Warum ist die Person dazu gekommen?´ 'Was ist der Zweck des Konsums?´In der Therapie helfen, das Leben anders zu meistern als mithilfe des Konsums", resümiert Batra.

Diese und weitere Themen besprechen die Referenten in Seminaren und Workshops. Mit dem Ziel, Suchtkranke zu entstigmatisieren und deren Behandlung zu fördern.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 26.03.26 - 17:20 Uhr   -   144 mal angesehen)

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