Leben auf kleinstem Raum: Der Wettbewerb zum Flying Space
In Zeiten steigender Mieten und Immobilienpreise wird Wohnen auf kleinstem Raum für immer mehr Menschen zur Alternative. Gerade in den großen Städten, wo Wohnraum teuer ist, erfreuen sich sogenannte Tiny Houses immer größerer Beliebtheit. Wie sieht es aber aus, das Wohnen auf kleinstem Raum oder auch Tiny Living der Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigen sich sieben Studentinnen der Akademie Mode & Design der Hochschule Fresenius in München in einem Wettbewerb. Die Aufgabe: Wohnkonzepte für drei Minihäuser zu entwickeln, die dann auch tatsächlich gebaut werden. Und zwar von der Firma SchwörerHaus in Hohenstein-Oberstetten.
Die beiden Design-Studentinnen Carolin Leprich und Naomi Wolter sind extra aus München auf die Schwäbische Alb gekommen. Im Ausstattungszentrum von SchwörerHaus wählen die beiden jetzt Materialien, Oberflächen und Ausstattungsdetails aus – gemeinsam mit dem Bemusterungsteam des Fertighaus-Herstellers.
Gerade geht es um die Eingangstür. Die insgesamt sieben Studentinnen statten die Wohnmodule für drei Zielgruppen aus: "Die erste Gruppe war Digital Native, die sind quasi an die jungen Leute rangegangen, die Leute Anfang 20, Ende 20", sagt Studentin Carolin Leprich, "wir sind die mittlere Gruppe, die so Ende 20, Mitte 30, Young Traveller, die Leute, die viel Business reisen, und der Rest der Gruppe war quasi Best Ager, genau, die Leute, die jetzt dann quasi in die Rente übergehen und quasi ein letztes Eigenheim suchen."
Für die beiden Studentinnen kam es jetzt darauf an, sich in den Young Traveller hineinzuversetzen und seine speziellen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Immerhin ist er selten zu Hause. "Und dann haben wir da geguckt: Ja, wie machen wir das? Dass es nicht so Airbnb-mäßig ist oder hotellike, sondern dass man halt wirklich da hingeht und halt sagt: Ja, ich wähle das, weil es halt mal was anderes ist und weil man da eine neue Erfahrung sammelt", sagt Studentin Naomi Wolter.
Der Phantasie der Studentinnen waren dabei allerdings auch Grenzen gesetzt. Denn nicht alles, was auf dem Papier gut aussieht, lässt sich in der Praxis auch umsetzen. Naomi Wolter: "Wir hatten uns halt für Erkerfenster entschieden und haben da sogar drei große mit eingebaut, und die waren bei uns sehr groß und rund, das Problem war nur, dass SchwörerHaus natürlich keine runden Fenster anbieten kann, und deswegen haben sie uns vorgeschlagen, dass wir halt eckige Fenster nehmen, die aber trotzdem auch Erkerfenster sind und nach draußen liegen."
In einer Produktionshalle auf dem SchwörerHaus-Gelände werden die Minihäuser gebaut. Dabei handelt es sich um so genannte Flying Spaces. Johannes Schwörer, Geschäftsführer von SchwörerHaus: "Flying Spaces sind komplett vorgefertigte Wohnraummodule, also, wo das Bad schon eingebaut ist, die Küche schon eingebaut ist, auch die Möbel, wenn es der Kunde möchte, also, komplett fix und fertig hier im Werk gemacht. Der Unterschied zum klassischen SchwörerHaus, da bauen wir ja auf der Baustelle draußen auf, hier machen wir es in der Produktionshalle."
Von den Tapeten bis zur Elektroinstallation – alles wird in der Produktionshalle vorgefertigt. Rund vierzig Flying Spaces liefert SchwörerHaus an den Tiny Wohnpark Heidelberg. Darunter auch die drei Wohnmodule, die die sieben Münchener Studentinnen nach ihren Vorstellungen gestalten.
Johannes Schwörer: "In dem Wettbewerb war die Aufgabe, die Module, die in Heidelberg errichtet werden, noch mal neu zu durchdenken, ein interessantes, innovatives Innenraum-Design zu machen und dafür zu sorgen, dass eben ein bisschen einen Pfiff gibt auch in der Siedlung."
Auf den Pfiff in der Siedlung achtet auch Christiane Fürber. Sie ist bei SchwörerHaus Leiterin Interior Design. Und vertritt neben Geschäftsführer Johannes Schwörer das Unternehmen in der Jury. "Klar. Ganz oben steht natürlich einfach die Umsetzbarkeit. Also, es soll ja auch wirklich jemand da drin wohnen, und wir als Schwörer haben da irgendwo ja auch die Sicherheit zu schauen: Ist das bewohnbar, und ist das von uns auch umsetzbar in der Produktion? Weil das Flying Space ja fertig hier montiert wird und dann quasi auf die Baustelle kommt", so Fürber.
In der Produktionshalle werden derweil die Flying Spaces auf Schwerlasttransporter geladen. Diese sollen die Wohnmodule in den Tiny Wohnpark Heidelberg bringen. Johannes Schwörer: "Also, wie kam es zu dem Wettbewerb? Wir haben einen Investor gewinnen können für uns mit dem in Heidelberg mehrere Module mit uns zusammen baut, und das hat uns so gereizt, das Projekt, dass wir gesagt haben, das müssen wir eigentlich noch mit einem besonderen Pfiff versehen, und haben dann Kontakt aufgenommen mit der Hochschule über eine Wohnzeitschrift zusammen, und da haben wir dann einen Wettbewerb draus konstruiert."
Draußen warten die Schwertransporte auf die Abnahme durch die Polizei. Die fertigen drei Flying Spaces werden dann im ersten Quartal des kommenden Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt.
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