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Trochtelfingen

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Volksvertreter als Praktikant: Michael Donth arbeitet bei Handwerksbetrieb

Der Bundestag hat Sommerpause, und so sind viele Bundestagsabgeordnete gerade auf Sommertour. Dem CDU-Abgeordneten im Wahlkreis Reutlingen Michael Donth reicht es aber nicht, Firmen oder soziale Einrichtungen zu besichtigen. Er will selber anpacken und hat sich deshalb zu 33 Praktika angemeldet. Jeweils einen halben Tag will er am eigenen Leib erfahren, welche Arbeit die Menschen in seinem Wahlkreis leisten. Am Freitag war er in Trochtelfingen im Handwerksbetrieb Holzbau Klingenstein.

Wir treffen Michael Donth auf dem Hof der Firma Holzbau Klingenstein beim Gabelstaplerfahren. Fast ohne Begleittross und ohne Pressebegleitung dreht er hier seine Runden. Gar nicht so einfach. Es ist aber auch das erste Mal.

Die Firma Holzbau Klingenstein in Trochtelfingen hat sich dem ökologischen Holzbau, dem An- und Umbau und dem Denkmalschutz gewidmet. Gerade werden Sparren, also Dachbalken für ein Haus in Metzingen bearbeitet. Das Holz muss dazu mit dem Gabelstapler in die Maschine gefahren und dann dort bearbeitet werden. Abbinden nennt man das. Also, die Kerfe, Ecken und Kanten so bearbeiten, dass sie auf dem Dach zusammenpassen.

"Ich habe ja immer den Ansatz, das Motto 'Arbeiten, wenn andere Urlaub machen'", sagte Michael Donth, "wobei ich das Arbeiten in Anführungszeichen setze, weil, ist ja logisch, es kann ja nicht sein, dass ich komme und kann dann alles, und andere müssen das lernen. Aber ich will trotzdem versuchen, einen Eindruck zu bekommen, und das ist hier möglich."

Und so steht Michael Donth an der Abbundmaschine, die die Bearbeitung vollautomatisch erledigt. Allerdings: Ein bisschen was muss dann doch von Hand gemacht werden. Und hier schlägt sich Donth gut. "Sehr gut", sagt Jürgen Klingenstein, einer der Geschäftsführer. "Mein Bruder macht schon den Arbeitsvertrag fertig; die Lehrstelle ist gesichert."

Aber Spaß beiseite. Nachwuchssorgen hat Holzbau Klingenstein – anders als viele andere Handwerksbetriebe – nicht. "Generell im Zimmererhandwerk sind wir sowieso noch ein bisschen besser dran als im Rest der Branche", so Jürgen Klingenstein. "Wir selber können uns überhaupt nicht beklagen Gott sei Dank, wir haben eine Kooperation mit der Werdenbergschule in Trochtelfingen, wo wir jedes Jahr Praktikanten bekommen, und wir haben Mitarbeiter, die ihre Freude am Beruf und bei uns kundtun, so dass immer wieder Leute kommen, die sich gerne bei uns bewerben."

Dafür gibt es ein anderes Problem. Und das betrifft vor allem die Führerscheinpolitik. Da hat Holzbau Klingenstein mit dem Verkehrsexperten Michael Donth genau den Richtigen in sein Werk geholt. "Was für uns natürlich immer ein bisschen komisch ist, dass im Privaten haben sie eine Landwirtschaft, dann fahren sie Hänger, schon ab 16 fahren sie Traktor mit 40 Tonnen, und bei uns dürfen sie noch nicht mal ein kleines Auto mit Hänger bewegen, das sind dann so Dinge, wo wir sagen: Da muss was geschehen, da sollte es Lösungen geben für das Handwerk."

Schon im zehnten Jahr ist Michael Donth kreuz und quer bei den Arbeitgebern in der Region unterwegs. Was als Wahlkampfaktion begonnen hat, ist zu einer Möglichkeit geworden, herauszufinden, wo Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Schuh drückt.

"Das bringt mir was, weil ich ein anderes Verständnis bekomme", so Donth. "Und ich habe den Eindruck, dass es einfach auch bei den Leuten, wo ich hinkomme, einfach auch die Möglichkeit gibt, anders ins Gespräch zu kommen, wenn man so einen Abgeordneten dann quasi an der Maschine hat."

Mit der Arbeit bei Holzbau Klingenstein war der Tag noch nicht gelaufen, denn anschließend sollte es gleich weiter gehen – zu einer Metzgerei nach Zwiefalten.

(Zuletzt geändert: Freitag, 05.08.22 - 15:41 Uhr   -   404 mal angesehen)

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