Spuren von Brandbeschleuniger am Umspannwerk gefunden
Nach dem großflächigen Stromausfall in Reutlingen gehen die Behörden inzwischen von Brandstiftung im Umspannwerk West aus. Das Landeskriminalamt bittet nun die Bevölkerung um Hinweise zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen sowie um Fotos oder Videos aus der Nacht auf Montag.
Nach dem Brand im Umspannwerk Reutlingen-West am Montag verdichten sich die Hinweise auf eine vorsätzliche Tat. Vor dem Hintergrund der bisherigen vorläufigen Ermittlungsergebnisse gehen das Staatsschutzzentrum bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg inzwischen davon aus, dass das Feuer durch Brandstiftung herbeigeführt wurde. Der Fall hat wegen seiner möglichen Bedeutung für die kritische Infrastruktur weiter besonderes Gewicht.
Nach aktuellem Stand sollen ein oder mehrere bislang unbekannte Täter auf das Gelände des Umspannwerks eingedrungen sein und dort an mehreren Stellen Brände gelegt haben. Nach Angaben der Ermittler soll dabei auch Brandbeschleuniger verwendet worden sein.
Hinweise aus Gewerbegebiet gesucht
Das Landeskriminalamt, das die polizeilichen Ermittlungen in dem Verfahren führt, bittet die Bevölkerung nun um Mithilfe. Gesucht werden vor allem Hinweise darauf, wer in der Nacht von Sonntag, 7. Juni, auf Montag, 8. Juni 2026, im Bereich des Umspannwerks Reutlingen-West in der Markwiesenstraße, im oder rund um das Industriegebiet Reutlingen-Betzingen (Mark West) sowie im angrenzenden Waldgebiet verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat.
Zeugen können sich unter der Telefonnummer 0711 5401-3360 an das Landeskriminalamt wenden. Außerdem ist eine Kontaktaufnahme per E-Mail an STUTTGART.LKA.EG-FISCHER.HINWEISE@POLIZEI.BWL.DE möglich.
Wer in dem fraglichen Zeitraum Video- oder Bildaufnahmen im Bereich des Umspannwerks oder des Industriegebiets Reutlingen-Betzingen gemacht hat, kann diese über das Hinweisportal der Polizei Baden-Württemberg unter https://bw.hinweisportal.de an das LKA übermitteln.
Ermittlungsgruppe „Fischer" im Einsatz
Bereits kurz nach dem Vorfall hatte das Staatsschutz- und Antiterrorismuszentrum Baden-Württemberg (SATBW) beim Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Die Sachleitung liegt beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart. Nach früheren Angaben von Innenminister Manuel Hagel wurde eigens die Ermittlungsgruppe „Fischer" eingerichtet.
Das Verfahren wird wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe geführt. Hagel hatte bereits am Montag betont, dass ergebnisoffen in alle Richtungen ermittelt werde, ausdrücklich auch mit Blick auf die Frage, ob ein Brandanschlag oder ein terroristischer Akt vorliegen könnte.
Stromausfall mit Folgen für Stadt und Gewerbe
Der Brand hatte in der Nacht auf Montag einen großflächigen Stromausfall in Reutlingen und angrenzenden Gemeinden ausgelöst. Nach Angaben der Stadt waren zwischenzeitlich rund 40.000 Haushalte und 7.600 Gebäude betroffen. Viele Wohngebiete konnten inzwischen wieder provisorisch ans Netz genommen werden, darunter auch Teile von Betzingen und Ohmenhausen sowie später die Nachbargemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt.
Im Gewerbegebiet blieb die Lage jedoch weiter angespannt. Viele Betriebe in Mark West sind noch ohne Strom, die Versorgung werde dort nicht vor Mittwochabend vollständig wiederhergestellt sein, hieß es. Weil in Teilen des Gebiets weiter Strom, Licht und teils auch Alarmanlagen ausfallen, stellte das Land zusätzliche Polizeikräfte bereit. In der Nacht auf Dienstag war dort eine Hundertschaft der Polizei im Einsatz.
Fall von herausgehobener Bedeutung
Dass das Verfahren beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt wird, hängt laut Mitteilung mit der herausgehobenen Bedeutung des Falls zusammen. Zudem könne der Tat, wegen der ermittelt werde, möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde liegen.
Das Staatsschutzzentrum bei der Generalstaatsanwaltschaft besteht seit Anfang 2025. Dort arbeiten sechs Oberstaatsanwältinnen und Oberstaatsanwälte sowie ein Leitender Oberstaatsanwalt. Die Einrichtung arbeitet eng mit dem Staatsschutz- und Antiterrorismuszentrum beim Landeskriminalamt zusammen, das die polizeilichen Ermittlungen in dem Verfahren übernommen hat.
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