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Tübingen

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15% Todesrisiko: Palmer, Federle und Bamberg appellieren an ältere Mitbürger, sich impfen zu lassen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, die Pandemiebeauftragte der Stadt, Dr. Lisa Federle, sowie der Klinikdirektor Professor Michael Bamberg wenden sich mit einem Brief an ältere Mitbürger.

In dem Brief bitten sie alle, die über 60 Jahre alt sind, sich zu impfen. Dabei geht es sowohl um Erstimpfungen als auch um Booster-Impfungen. Die Impfung schütze zu 90% vor einer schweren Erkrankung, wie Daten aus Kliniken zeigen würden. Ungeimpfte über 60-Jährige würden 64 Prozent der Intensivpatienten ausmachen. Geimpfte aus derselben Altersgruppe würden 36 Prozent der Patienten stellen. Wenn alle über 60-Jährigen geimpft wären, so heißt es in dem Schreiben, würde die Zahl der Intensivpatienten in Deutschland um die Hälfte sinken. Diese Unterstützung brauche das medizinische Personal dringend.

Hier der Brief im Wortlaut:

Anrede

Sind Sie gegen Corona geimpft? Dann bedanken wir uns bei Ihnen für Ihre Vorsicht und Umsicht. Wenn Sie aber noch nicht geimpft sind, bitten wir Sie, uns fünf Minuten Ihrer Zeit zu schenken. Und wenn Ihre Impfung sechs Monate zurückliegt, dann melden Sie sich am besten gleich für eine dritte Impfung (Booster-Impfung) an.

Was bringt die Impfung wirklich und wie gefährlich sind die Nebenwirkungen? Das wird immer noch kontrovers diskutiert. Wir wollen Ihnen dazu unsere Sicht als Klinikdirektor, Notärztin und Oberbür- germeister darlegen. Eine Corona-Infektion ist vor allem für ältere Menschen bedrohlich. Die meisten Corona-Patienten der Krankenhäuser sind älter als 60. Auf den Intensivstationen in Deutschland sind derzeit 36% der Corona-Patienten geimpft. Das hört sich viel an. Wirkt die Impfung dann überhaupt?

Das kann man direkt ausrechnen: Bei den Menschen über 60 sind 85% geimpft und dennoch machen sie nur 36% der Patienten aus. Die Ungeimpften sind nur 15% der Personen in dieser Altersgruppe, stellen aber 64% der Intensivpatienten. Daraus ergibt sich, dass Ungeimpfte zehnmal häufiger so schwer an Corona erkranken, dass sie ein Intensivbett benötigen. Anders formuliert: Die Impfung schützt Sie zu 90% vor einer schweren Erkrankung durch eine Infektion mit Cor ona. Das sind keine Daten aus Versuchen der Hersteller, sondern die bundesweit erhobenen Daten der Kliniken. Wir können Ihnen versichern, dass diese Daten korrekt sind und mit der Realität, die wir erleben, übereinstimmen.

Eine Corona-Infektion endet für einen Ungeimpften über 80 Jahren in 15% der Fälle mit dem Tod. Gegen diese Gefahr eines einzigen Kontakts mit infizierten Freunden oder Verwandten können Sie sich durch die Impfung mit einer Wirkung von 90% schützen. Ihr Todesrisiko sinkt also auf 1,5%. Und leider ist diese Bedrohung jetzt sehr nahe: Unter den Ungeimpften ist derzeit einer von 100 infiziert. Sie müssen leider davon ausgehen, dass Sie in diesem Winter angesteckt werden.

Unsere erste Bitte lautet daher: Schützen Sie sich selbst. Lassen Sie sich jetzt impfen.

Auf den Intensivstationen leisten unsere Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte jeden Tag einen großartigen Dienst. Bis zu 35 Intensivpatienten mit Corona haben sie in Tübingen schon gleichzeitig versorgt. Das war bereits nahe an der Überlastung. Nun droht ein Anstieg der Zahl der Intensivpatienten, der alle bisherigen Corona-Wellen in den Schatten stellt. Viele Krankenhäuser müssen nun Operationen absagen und dringend notwendige Behandlungen verschieben, weil die Kliniken nicht mehr alle Patienten gleichzeitig versorgen können. Weil viele Kliniken schon jetzt überlastet sind, müssen die Rettungsdienste Patienten oft über weite Strecken verlegen und kommen damit auch an ihre Grenzen. Schon die unvermeidliche Zunahme in den kommenden zwei Wochen ist für unser Gesundheitssys- tem, unser Personal und unsere Patienten eine unglaubliche Anstrengung und Belastung. Wir können weitere Patienten kaum noch verkraften.

Nun wissen wir, dass die Zahl der Patienten, die so schwer an Corona erkranken, dass sie ins Kranken-haus müssen, zehnmal größer ist, wenn alle Menschen ungeimpft sind. Schon wenn alle sich impfen lassen, die älter als 60 sind, sinkt die Zahl der Intensivpatienten in Deutschland um die Hälfte. Diese Unterstützung braucht unser medizinisches Personal dringend.

Unsere zweite Bitte lautet daher: Schützen Sie unsere Kliniken und Rettungskräfte. Lassen Sie sich jetzt impfen.

Unsere Kinder haben in der Pandemie eine allzu große Last getragen. Schulschließungen haben die Bildungsbiografien beschädigt. Viele Familien sind im Corona-Stress zerbrochen. Die Kinderkliniken sind mit den psychisch erkrankten Kindern stark überlastet. Kinder unter 12 können wir aber bisher nicht impfen. Das liegt auch daran, dass sie die Impfung nicht unbedingt brauchen, weil sie in aller Regel nur sehr mild erkranken oder die Infektion gar nicht bemerken. Wenn aber die Infektionen der Kinder über die Generation Eltern und Lehrer auf die Generation der Großeltern übertragen werden, dann überlasten wir die Kliniken und Schulschließungen kommen als letztes Mittel wieder auf uns zu.

Unsere dritte Bitte lautet daher: Schützen Sie unsere Kinder. Lassen Sie sich jetzt impfen.

Und was ist mit den Nebenwirkungen? In Deutschland sind 100 Millionen Impfdosen verabreicht worden. Nebenwirkungen werden akribisch untersucht. Es gab in 0,15% der Fälle schwere Nebenwirkungen, die aber fast alle wieder abklingen. In 50 Fällen ist wegen der Impfung ein Todesfall zu beklagen gewesen. Zum Vergleich: An manchen Tagen im letzten Winter sind 700 Menschen pro Tag an Corona gestorben. Den ganzen Sommer über wurde mit großem Tempo geimpft. Die Kliniken haben von dieser riesigen Zahl von Impfungen nichts bemerkt, es gab keine zusätzlichen Patienten mit Impfschäden. Wir sind daher absolut sicher: Die Gefahr der Infektion mit dem Virus ist um ein Vielfaches größer als die Gefahr durch die Impfung. Das gilt für Sie persönlich. Und für unser Gesundheitssystem.

Deshalb bitten wir Sie: Lassen Sie sich jetzt impfen. Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, können Sie sich per E-Mail (impforte@med.uni-tuebingen.de) an unseren Beratungsdienst wenden. Wenn Sie das Internet nicht nutzen können, erreichen Sie den Impfort in dringenden Fällen montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr auch telefonisch unter 070712988884.

Wir danken Ihnen schon vorab ganz herzlich für Ihr Mitwirken!


(Zuletzt geändert: Montag, 29.11.21 - 18:12 Uhr   -   572 mal angesehen)

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