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Tübingen

Foto: RTF.1
Vor dem Bürgerentscheid: Innenstadtstrecke Pro & Contra

Am Sonntag wird nicht nur ein neuer Bundestag gewählt. Die Tübinger entscheiden auch über die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn. Und das hat Auswirkungen auf die ganze Region. Denn es ist ein Unterschied, ob Fahrgäste aus Reutlingen, Rottenburg oder Herrenberg direkt bis zu den Kliniken durchfahren können oder ob sie am Hauptbahnhof umsteigen müssen.

Fototermin am Donnerstag-Nachmittag. Zwanzig Bürgermeister aus der Region Neckar-Alb zeigten sich geschlossen für ein JA beim Bürgerentscheid am Sonntag. Denn gerade für das Tübinger Umland würde es einige Vorteile bringen.

Die Fragestellung am Sonntag lautet: „Soll in Tübingen die Innenstadtstrecke der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb gebaut werden?" Es geht also zunächst nur um die Innenstadtstrecke, die den Hauptbahnhof mit den Kliniken verbinden soll. Doch der Bürgerentscheid habe Auswirkungen auf das Gesamtprojekt, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. „Die Innenstadtstrecke ist das Herzstück der Regionalstadtbahn, nicht der Wurmfortsatz", so Palmer. „Von 120.000 Fahrgästen sind 30.000 für die Innenstadtstrecke prognostiziert, wenn die wegfällt, dann ist das gesamte Projekt in Gefahr."

Stimmt nicht, sagen die Gegner. Sie sind auch für die Regionalstadtbahn, aber nicht für die Innenstadtstrecke. Denn diese sei unnötig und würde einige Probleme mit sich bringen.

 

Nadelöhr Neckarbrücke/Mühlstraße

Los geht es an der Neckarbrücke. „Die steht aus unserer Sicht bombensicher", sagte Dr. Thomas Heller, Sprecher der Bürgerinitiative. „Man müsste sie aber erneuern, abreißen, neu bauen in dem Moment, wo die Stadtbahn kommt, denn die kann die schweren Züge nicht tragen."

Boris Palmer widerspricht: „Die Neckarbrücke kommt ans Ende ihrer Lebensdauer und muss ersetzt werden, und daher sollte man das am besten mit dem Bau der Regional-Stadtbahn machen und nicht nacheinander."

Es folgt die Mühlstraße. Die sei zu eng. Alle dreieinhalb Minuten würde eine Bahn vorbeifahren. Dichtestress für Fußgänger und Radfahrer. Für die stelle die Gleise ein Unfallrisiko dar. Und auch die Außengastronomie müsse verschwinden. Weiter oben an der Neuen Aula würde sich die Stadtbahn um die Kurven quietschen, während Prüfungen stattfinden; das sei ein großes Problem für die Universität, die dort hochdämmen müsse.

 

Ein Beitrag zum Klimaschutz?

Weitere Argumente der Gegner: Zu teuer, eine für den Einzelhandel schädliche Großbaustelle und eine schlechte ökologische Gesamtbilanz. Oberbürgermeister Boris Palmer widerspricht: „Wir haben weniger Stau, weniger Abgase, und das gilt auch, wenn es allmählich mehr Elektroautos gibt, und da muss auch erst mal die Batterie hergestellt werden. Deswegen kann man nicht für Klimaschutz sein und gegen die Innenstadtstrecke in Tübingen stimmen, das widerspricht sich einfach."

Ein weiteres Argument der Gegner: Es käme zu elektromagnetischer Strahlung und zu Erschütterungen. Schlecht vor allem für Universitätsinstitute, Kliniken und Arztpraxen.

„Dann haben wir entlang der weiteren Strecke das Werner-Siemens-Imaging-Center", erklärt Thomas Helle. „Da haben wir Kostenrisiken von 30 bis 40 Millionen, die sind noch nicht eingepreist, das heißt, wir haben ein großes finanzielles Risiko in der Stadtgesellschaft, wenn wir die Stadtbahn bauen."

 

Die Suche nach Alternativen

Doch die entscheidende Frage ist: Was geschieht, wenn die Tübinger am 26. September mit nein stimmen? Was wären die Alternativen? Es gibt keine, sagte Boris Palmer. Denn alle Alternativen außer Schnellbus und Seilbahn scheiden von vorne herein aus. Schnellbus sei zu teuer und Seilbahn nicht wirklich realistisch. Das hieße: „Entweder wird Busfahren und Bahnfahren attraktiver durch die Innenstadtstrecke, dann steigen die Leute viel um, oder man lässt es, dann muss man das Autofahren unattraktiver machen." Mit Pförtnerampeln und Straßenverengungen würde dann bewusst für Stau gesorgt.

Die Gegner sehen das anders: „Wenn der Bürgerentscheid negativ für die Stadtbahn ausgeht und positiv für Tübingen, dann haben wir erst mal drei Jahre Zeit, in der der Gemeinderat nichts entscheiden kann", sagte Thomas Helle. Dann könne man die Pläne im Detail ausarbeiten, neu bewerten und die grundlegenden Fragen klären.

Mit den Schienen, so kritisieren die Gegner, würden alle Alternativen verbaut. Alternativen, die es laut Befürworter nicht wirklich gibt. Die Kapazität der Regional-Stadtbahn sei wesentlich größer, sagen sie, sie sei komfortabler als die Busse, barrierefrei, schneller, umweltfreundlicher, und die Aufenthaltsqualität sei größer. „Das heißt, die Tübingerinnen und Tübinger stimmen auch wesentlich darüber ab, ob Menschen, die als Krankenschwester oder Arzt an der Klinik arbeiten, künftig komfortabel in die Stadt kommen oder ob sie mit dem heutigen Zustand leben müssen", sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. „Das heißt, sie fahren meistens Auto."

Eine Umfrage unter den Klinikbeschäftigten hat ergeben, dass die Mehrheit sich für die Stadtbahn ausspricht. Doch gerade das Klinik-Argument, so sagen die Gegner, ziehe nicht. „Im Moment haben wir alle fünf bis sieben Minuten eine Verbindung hoch zur Klinik, die relativ zügig auf die Klinik hoch führt", sagt Thomas Helle. „Wenn ich jetzt aber alle halbe Stunde eine durchgängige Verbindung habe, dann bin ich am Arbeitsplatz entweder zu früh – das will ich nicht – oder zu spät – das will ich genausowenig." Aber die bisherigen Buslinien blieben auch mit der Innenstadtstrecke erhalten, sagen die Befürworter.

Die Argumente sind jetzt ausgetauscht. Wer am Ende den Bürgerentscheid gewinnt, zeigt sich am 26. September.

(Zuletzt geändert: Freitag, 24.09.21 - 17:10 Uhr   -   558 mal angesehen)

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