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Deutschland & Baden-Württemberg

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"Griff ins Klo!" - Aufregung und Empörung über staatliches Hilfsprogramm für Kleinunternehmer

"Ein Griff ins Klo!" zählt noch zu den harmloseren Kommentaren, mit denen Solo-Selbständige und Kleinunternehmer die jetzt aufgelegten Soforthilfe-Programme von Bund und Land bezeichnen. Von Bundeswirtschaftsminister Altmaiers "Wir helfen allen Firmen" sei kaum etwas übrig geblieben. Trotzdem gehen pro Minute offenbar rund 250 Anträge ein.

"Ein Griff ins Klo!" zählt noch zu den harmloseren Kommentaren, mit denen Solo-Selbständige und Kleinunternehmer die jetzt aufgelegten Soforthilfe-Programme von Bund und Land bezeichnen. Von Bundeswirtschaftsminister Altmaiers Satz "Wir helfen allen Firmen" seit kaum etwas übrig geblieben

Nur bei Umsatzrückgängen von 50% oder mehr sieht das Land Baden-Württemberg Kleinunternehmer als existentiell gefährdet an. So steht es in den Leitlinien zum neuen Nothilfeantrag für Kleinunternehmer, der seit gestern Abend von der Seite des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg herunter geladen werden kann: Wer weniger als 50% Umsatzrückgang hat, geht leer aus.

Leer aus geht auch, wenn nicht schon sämtliches verfügbares liquides Privatvermögen zur Corona-Rettung in seine Firma gesteckt hat. Als Stichtag für corona-bedingte Schieflagen gilt dabei der 11. März 2020. Wohl deshalb, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO erst an diesem Tag offiziell den Pandemie-Fall erklärt hat. - Allerdings war in den Wochen vor dem 11. März bekannt geworden, dass die WHO intern schon längst von einem Pandemiefall ausgegangen sei, diesen aber aus Sorge um die Reaktion der Menschen so lange wie möglich nicht ausrufen wollte.

Nicht relevant für das Nothilfeprogramm sind Umsatzeinbrüche im Januar und Februar. Auch darüber sind viele Kleinunternehmer empört: "Bereits vier Wochen vorher brachen mir wegen Corona-Befürchtungen in dramatischer Weise die Umsätze weg", sagt einer der Betroffenen gegenüber unserem Sender. Ein anderer sagt: "Schon mit Beginn der Corona-Krise in China" hätten sich die Kunden mit Aufträgen zurückgehalten, oder hätten die Entscheidung über eine Auftragserteilung erst mal verschoben. Noch viel mehr sei die Zurückhaltung mit dem Ausbruch und dem schrecklichen Verlauf der Corona-Epidemie in Italien zu spüren gewesen. Die Beschränkung auf die Zeit ab dem 11. März 2020 sei "ein Witz".

Leer geht auch aus, wer zu dem [Familien-]Haushalt, in dem er lebt, nicht wenigstens 30% des Einkommens beisteuert: Das wäre ja in Ordnung, wenn man uns von Anfang an gesagt hätte, man wolle die Familien und Haushalte stützen, und nicht die Firmen, sagt ein Betroffener im Skype-Interview mit unserem Sender: Aber es wurde uns versprochen,dass jedem Unternehmen geholfen wird.  Und das sei nicht wahr.

Zudem, ergänzt einer, müsse man unterschreiben, dass man nicht gegen diese und jene umfangreichen gesetzlichen Vorschriften verstoße. "Ich bin doch kein Jurist" sagt einer "und kann nun doch in dieser verzweifelten Lage nicht auch tagelang Gesetzestexte studieren".

Der Ansturm auf das Nothilfeprogramm des Landes ist dennoch gewaltig: Die Industrie- und Handelskammer IHK - die für die Region im Auftrag des Landes die Vorprüfung der Anträge übernimmt -  gab bekannt, dass derzeit - auf elektronischem Wege - um die 250 Anträge pro Minute hereinkommen.

Wie sehen Sie, liebe Zuschauer und Leser die Sache? Gehören Sie zu den Solo-Selbständigen und Klein-Unternehmern, die das Nothilfeprogramm in Anspruch nehmen wollen? Wird Ihnen geholfen? Oder fallen Sie durchs Raster? Schildern Sie uns Ihre Eindrücke in der DIsqus-Kommentarfunktion (unter diesem Artikel), oder über die Kommentarfunktion von facebook!

Jüngste Aktualisierung: 26.03.2020-15:51

(Zuletzt geändert: Freitag, 27.03.20 - 02:06 Uhr   -   810 mal angesehen)

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