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Menschenrechte

Foto: Pressefoto Ulrich Wickert/ Markus Tedeskino
Journalist Ulrich Wickert findet "Indien schlimmer als China"

"In Indien werden die Menschenrechte viel mehr gebrochen als in China" - Das mahnt der Journalist und Autor Ulrich Wickert an, der als Pate von Plan International Selbsthilfe-Projekte unterstützt. So würden in Indien nach wie vor Kinder verkauft. Plan International vergibt heute zusammen mit der Ulrich-Wickert-Stiftung einen Journalistenpreis für Reportagen über Lebensumstände von Kindern in Entwicklungsländern.

"Ich bin nie nach Indien gefahren", bekannte Ulrich Wickert kürzlich bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit". "Ich fühle mich unwohl in einem Land, das mit Menschen so umgeht, wie in Indien mit Menschen umgegangen wird", erklärte der frühere Tagesthemen-Moderator. China sei sehr viel besser als Indien, verglich Wickert, wenngleich auch dort einiges schlimm sei.

"Frau Merkel fährt nach China und dann sagen die Journalisten in Deutschand immer, 'Haben Sie auch gesagt, dass die Menschenrechte uns wichtig sind?'. Und wenn Frau Merkel nach Indien fährt, spricht keiner über die Menschenrechte", echauffierte sich Wickert.

Eltern verkaufen Kinder an Teeplantagen

In Indien würden Kinder nach wie vor verkauft, berichtete Wickert, der die Projekte des Kinderhilfswerks Plan International seit 1995 unterstützt und ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der deutschen Organisation ist. Käufer der Kinder seien zum Beispiel Teeplantagen: "Da bringt dann ein Vater sein Mädchen, wenn sie sieben Jahre alt ist hin, kriegt dafür sechs, sieben, acht Dollar, fährt wieder zurück und lässt das Mädchen da. Das soll jetzt lernen, Tee zu zupfen. Und dort wird alles gemacht, dass sie die Familie vergisst. Das ist für mich furchtbar", betonte Wickert mit hörbarer Empörung.

Mädchen landen in Bordellen

Plan International, wo Wickert Pate ist, unterstützt vor allem Mädchen. Wickert schilderte, wie es dazu kam. "Die haben in Nepal erfahren, dass Mädchen aus der untersten Kaste automatisch mit sechs, sieben jahren als Haushaltshilfe weiterverkauft werden. Aber nicht nur das." Die Mädchen würden auch abgeholt und in Bordelle gebracht, etwa nach Kalkutta.

Nach Ansicht von Ulrich Wickert wird zu selten "die Einhaltung der Rechte von Kindern gefordert, wenn deren Menschenrechte hunderttausendfach missachtet werden, etwa wenn Mädchen in Indien oder Nepal oder Mali oder sonst wo in sklavenähnliche Verhältnisse verkauft werden". Journalisten müssten sich verstärkt für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzen. "Das erfordert in manchen dieser Länder Mut", meint Wickert - diesen Mut will er mit dem Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte fördern.

Ulrich Wickert vergibt mit seiner Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder einen Journalistenpreis. Der mit insgesamt 24.000 Euro dotierte Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte zeichnet Reportagen und Features aus, die beispielhaft auf die Lebensumstände von Kindern in Entwicklungsländern aufmerksam machen. Im Rahmen des Preises wird auch der Peter Scholl-Latour Preis für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten verliehen.

Heute Abend werden die Siegerinnen und Sieger auf einer Abendveranstaltung von Plan International in Berlin geehrt. Acht deutsche Journalistinnen und Journalisten können auf eine Auszeichnung (Preis Deutschland/Österreich bzw. Peter Scholl-Latour Preis) hoffen. Als internationaler Preisträger steht José Alberto Mojica Patiño, Redakteur der kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo, bereits fest. Einen Sonderpreis für ihre Medienarbeit erhalten die Hamburger "Youth Advocates", Jugendliche mit Flucht- und Migrationserfahrung.

Im zweiten Teil der Abendveranstaltung feiert die Kinderhilfsorganisation das 30. Jubiläum ihrer deutschen Organisation. Grundlage für alle Aktivitäten des Vereins ist die UN-Kinderrechtskonvention, die in diesem Jahr ebenfalls 30 Jahre alt wird.


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