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Indien

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Indische Sprachen sind 4.500 Jahre alt: Alter der dravidischen Sprachfamilie entschlüsselt

Das Alter der dravidischen Sprachfamilie mit ihren rund 80 Sprachvarietäten, welche heute von 220 Millionen Menschen vor allem in Süd- und Zentralindien gesprochen werden, kann auf etwa 4.500 Jahre datiert werden. Diese Schätzung basiert auf einer computergestützten linguistischen Analyse eines internationalen Forschungsteams unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte. Die computergestützte Analyse bestätigt die Ergebnisse der traditionellen Sprachwissenschaft.

Für die Studie nutzte das Team neu erhobene Daten von Muttersprachlern aller bekannten Untergruppen der Sprachfamilie. Die im März 2018 in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science veröffentlichten Ergebnisse stimmen überraschend gut mit früheren linguistischen und archäologischen Studien überein.

Südasien, das von Afghanistan im Westen bis Bangladesch im Osten reicht, beherbergt mindestens sechshundert Sprachen, die zu sechs großen Sprachfamilien gehören, unter ihnen Dravidisch, Indoeuropäisch und Sinotibetisch. Die dravidische Sprachfamilie, die etwa 80 Sprachvarietäten (sowohl Sprachen als auch Dialekte) umfasst, wird heute von etwa 220 Millionen Menschen gesprochen, hauptsächlich in Süd- und Zentralindien, aber auch in umliegenden Ländern.

Ihre vier größten Sprachen – Kannada, Malayalam, Tamil und Telugu – haben jahrhundertealte literarische Traditionen, von denen die des Tamil am weitesten zurückreicht. Zusammen mit Sanskrit ist Tamil eine der klassischen früh verschriftlichten Sprachen der Welt, aber im Gegensatz zum Sanskrit besteht zwischen seinen klassischen und modernen Formen eine stärkere Kontinuität, die durch Inschriften, Gedichte, Lieder und andere weltliche und religiöse Texte dokumentiert ist.

„Das Studium der dravidischen Sprachen ist entscheidend für das Verständnis der Vorgeschichte Eurasiens, da sie bedeutenden Einfluss auf andere Sprachgruppen ausgeübt haben", erklärt Annemarie Verkerk vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und korrespondierende Autorin der Studie. Weder der geographische Ursprung der dravidischen Sprachen noch der genaue zeitliche Verlauf ihrer Ausbreitung ist mit Sicherheit geklärt.

Dennoch ist sich die Wissenschaftsgemeinde einig darüber, dass Dravidisch sprechende Menschen bereits vor Ankunft der sogenannten Indo-Arier (Indoeuropäisch sprechende Menschen) vor etwa 3.500 Jahren auf dem indischen Subkontinent lebten. Es gilt ferner als wahrscheinlich, dass die dravidischen Sprachen in der Vergangenheit weiter nach Westen verbreitet waren als heute.

Robuste Ergebnisse durch modernste computergestützte Methoden und neue Daten

Um die Frage zu klären, wann und wo sich die dravidischen Sprachen entwickelten, untersuchte das Forschungsteam detailliert die historischen Beziehungen von 20 dravidischen Varietäten. Studienautorin Vishnupriya Kolipakam vom Wildlife Institute of India sammelte hierfür eigens Daten von Muttersprachlern zahlreicher dravidischer Sprachen, die alle Untergruppen des Dravidischen repräsentieren.

Mit Hilfe aufwändiger Wahrscheinlichkeitsrechnungen, basierend auf Bayesianischen Verfahren, wurde ein Sprachstammbaum der dravidischen Sprachfamilie erstellt und sein Alter auf etwa 4.000 bis 4.500 Jahre datiert. Diese Schätzung stimmt mit den Ergebnissen früherer linguistischer Studien überein und scheint darüber hinaus äußerst robust zu sein, da diese Schätzung durch die Mehrzahl der verschiedenen im Rahmen dieser Studie berechneten statistischen Entwicklungsmodelle bestätigt wurde.

Das geschätzte Alter steht auch im Einklang mit Rückschlüssen aus der Archäologie. Diese datierten die Aufgliederung des Dravidischen in die nördlichen, zentralen und südlichen Zweige in Übereinstimmung mit dem Beginn kultureller Entwicklungen, die durch archäologische Funde belegt sind, auf genau den gleichen Zeitraum.

Um die Beziehungen zwischen den Zweigen der Sprachfamilie zu klären und die geographische Geschichte der Sprachfamilie zu untersuchen, werden weitere Studien notwendig sein. „Wir haben hier die wirklich große Chance, die Interaktionen zwischen diesen Menschen und anderen kulturellen Gruppen in der Region, wie indoeuropäischen und austroasiatischen Gruppen, an einem der großen Kreuzungspunkte in der menschlichen Vorgeschichte zu untersuchen", sagt Koautor Simon Greenhill vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.      [MPI für Menschheitsgeschichte, Jena]

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